KOLUMNE
Am Ostermontag sass ich mit meinem Enkel im Garten. Er geht in die 3. Klasse. Im Gartenhäuschen entdeckte er meine Rebschere, nahm sie in die Hand und fragte mich: «Kann ich dir helfen – und etwas verdienen?» Der Moment hat mich berührt. Und gleichzeitig blieb mir die Frage hängen: Was lernt er für später?
Eine einfache Frage. Und doch eine, auf die man nicht so leicht antworten kann. Durch meinen Enkel erlebe ich Schule heute wieder aus nächster Nähe – und gleichzeitig diskutiere ich im Bundeshaus über Fragen der Bildungspolitik und der Zukunft unseres Landes. Manchmal liegen diese beiden Welten weit auseinander.
Ich habe in meiner eigenen Familie erlebt, wie unterschiedlich Bildungswege verlaufen können. Meine Töchter sind ganz verschiedene Wege gegangen – über die Berufsbildung, über Fachhochschulen und über klassische akademische Laufbahnen. Und jeder dieser Wege war richtig. Diese Erfahrung prägt meinen Blick bis heute.
Im politischen Alltag sprechen wir oft in Kategorien: akademisch oder beruflich, Gymnasium oder Lehre. In der Realität ist es vielfältiger. Es gibt nicht den einen richtigen Weg.
Als Unternehmer weiss ich, wie wichtig gute Ausbildung ist – nicht nur auf dem Papier, sondern in der Praxis. Es geht nicht nur darum, was jemand weiss, sondern was jemand kann: Verantwortung übernehmen, Probleme lösen, mit Menschen umgehen.
Und das beginnt viel früher, als wir denken – im Kleinen, im Alltag. So wie an diesem Ostermontag im Garten.
Auf nationaler Ebene geht es für uns darum, dass die Schweiz innovativ bleibt. Wir gehören zu den führenden Innovationsstandorten der Welt – das ist keine Selbstverständlichkeit. Entscheidend ist, dass wir den Anschluss nicht verlieren. Dazu gehört, dass wir in der Forschung international vernetzt bleiben, etwa durch eine Assoziierung an Programme wie Horizon.
Und dann ist da noch eine Frage, die mir immer wichtiger wird: Welche Sprachen sprechen unsere Kinder eigentlich noch? Mein Enkel lernt heute früh Englisch. Das ist heute selbstverständlich. Aber was ist mit Französisch oder Italienisch – mit den Sprachen unseres eigenen Landes?
Die Schweiz funktioniert nicht, weil alle gleich sind – sondern weil wir einander verstehen. Über Sprachgrenzen hinweg. Genau darüber diskutieren wir derzeit auch im Bundeshaus. In meiner Kommission steht aktuell ein konkreter Vorstoss zur Förderung der Verständigung zwischen unseren Sprachregionen auf der Traktandenliste.
Sprache ist mehr als ein Schulfach. Sie ist ein Stück Zusammenhalt. Die Welt, in der unsere Kinder aufwachsen, verändert sich. Digitalisierung, neue Arbeitsformen, globale Vernetzung. Wir können ihnen nicht alles mitgeben, was sie einmal brauchen werden. Aber wir können ihnen das Rüstzeug geben, um damit umzugehen: Neugier. Selbstständigkeit. Verantwortungsbewusstsein. Und vielleicht auch die Fähigkeit, nicht nur mit der Welt zu kommunizieren, sondern auch miteinander.
Wenn wir in meiner Kommission über solche Fragen beraten, dann denke ich auch an die Generation meines Enkels. Und daran, wie wichtig es ist, dass wir uns in unserem Land weiterhin verstehen – auch über Sprachgrenzen hinweg. Wer in der Schweiz auf nationaler Ebene unterwegs ist, merkt schnell: Ohne Französisch kommt man nicht weit. Es ist mehr als ein Schulfach – es ist ein Schlüssel zum Miteinander.
Vielleicht täte es uns gut, wenn wieder mehr junge Menschen einen Sprachaufenthalt in einem anderen Landesteil machen würden. Mein Enkel hat dafür noch Zeit. Aber die Frage, was wir ihm mitgeben, stellt sich heute. Denn am Ende geht es nicht darum, welcher Weg der richtige ist. Sondern darum, dass wir unseren Kindern überhaupt Wege offenlassen.
Ihre Meinung zu diesem Thema interessiert mich. Schreiben Sie mir per Mail an:
meier@schweizerkombi.ch
Andreas Meier ist Nationalrat und Mitglied der WBK-N. Er ist Unternehmer in der Weinbranche und Verwaltungsrat am Hightech Zentrum Aargau in Brugg.
Als Vater von drei Töchtern und Grossvater beschäftigt ihn das Thema Bildung auch persönlich.




